Storm, Immensee

14,00 

Theodor Storm
»Immensee«
Novelle
Mit einem Nachwort von Rudolf Wolff
Hardcover Leinen
96 Seiten – Preis 14,00 €
ISBN 978-3-86672-104-3

Storm war Richter. Der schriftstellernde Jurist – oder der im »Brotberuf« als Jurist tätige Schriftsteller – die »zwei Seelen« in einer Brust haben nur zwei Möglichkeiten. Entweder sie reiben sich im ständigen Kampf gegeneinander auf und vereinigen sich zum ›verkannten Genie‹, das sich dem Gram oder dem Alkohol (oder gleich beiden Lastern) hingibt – oder sie vereinigen sich zu einem dialektisch-kreativen Potential. Der Abgrund, der innerhalb der Gesellschaft zwischen Bürgern und Künstlern klafft und auch die Persönlichkeit der Doppel- oder Halbexistenz des Bürger-Schriftstellers oder Schriftsteller-Bürgers in zwei gleiche Hälften aufspaltet, kann nur durch produktive Kreativität überbrückt werden. – Den von Storm beschriebenen Künstlerexistenzen haftet etwas Tragisches an.

Tragisch auch das Schicksal des Protagonisten Reinhardt aus Immensee.

Nach einer unbeschwerten Kinder- und frühen Jugendzeit der beiden Protagonisten Elisabeth und Reinhardt, änderte sich das Verhältnis der beiden zueinander schlagartig, nachdem Reinhardt die idyllische Heimatumgebung verlassen muß, um seine Studien in einer größeren Stadt fortsetzen zu können.

»Immensee« war die erste größere Prosaarbeit Storms und erreichte hohe Auflagen. Noch zu seinen Lebzeiten konnte Storm auf die 30. Auflage als Separationsausgabe schauen.

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Beschreibung

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Der Alte

An einem Spätherbstnachmittage ging ein alter wohlgekleideter Mann langsam die Straße hinab. Er schien von einem Spaziergang nach Hause zurückzukehren; denn seine Schnallenschuhe, die einer vorübergegangenen Mode angehörten, waren bestäubt. Den langen Rohrstock mit goldenem Knopf trug er unter dem Arm; mit seinen dunklen Augen, in welche sich die ganze verlorene Jugend gerettet zu haben schien, und welche eigentümlich von den schneeweißen Haaren abstachen, sah er ruhig umher oder in die Stadt hinab, welche im Abendsonnendufte vor ihm lag. – Er schien fast ein Fremder; denn von den Vor­übergehenden grüßten ihn nur Wenige, obgleich Mancher unwillkürlich in diese ernsten Augen zu sehen gezwungen wurde. Endlich stand er vor einem hohen Giebelhause still, sah noch einmal in die Stadt hinaus und trat dann in die Hausdiele. Bei dem Schall der Türglocke wurde drinnen in der Stube von einem Guckfenster, welches nach der Diele hinausging, der grüne Vorhang weggeschoben und das Gesicht einer alten Frau dahinter sichtbar. Der Mann winkte ihr mit seinem Rohrstock. »Noch kein Licht!« sagte er in einem etwas südlichem Akzent; und die Haushälterin ließ den Vorhang wieder fallen. Der Alte ging nun über die weite Hausdiele, dann durch einen Pesel, wo große Eichschränke mit Porzellanvasen an den Wänden standen; durch die gegenüberstehende Tür trat er in einen kleinen Flur, von wo aus eine enge Treppe zu den oberen Zimmern des Hinterhauses führte. Er stieg sie langsam hinauf, schloß oben eine Tür auf, und trat dann in ein mäßig großes Zimmer. Hier war es heimlich und still; die eine Wand war fast mit Repositorien und Bücherschränken bedeckt; an der anderen hingen Bilder von Menschen und Gegenden; vor einem Tische mit grüner Decke, auf dem einzelne aufgeschlagene Bücher umherlagen, stand ein schwerfälliger Lehnstuhl mit rotem Sammetkissen.

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Der Autor:

Theodor Storm

Geboren am 14. September 1817 in Husum
Gestorben am 4. Juli 1888 in Hanerau-Hademarschen

Schon mit 4 Jahren wurde Theodor Storm eingeschult. Er war offenbar ein recht guter und gehorsamer Schüler, denn von der zur damaligen zeit üblichen autoritären Schulpädagogik hatte er nichts abbekommen. Mit 9 Jahren dann Wechsel zur Gelehrtenschule in die Quarta.

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Zusätzliche Information

Gewicht 0.250 g